Hinschauen & Leben retten: Das Hamburger Winternotprogramm
Veranstaltungen
Wenn die Nächte in Hamburg eisig werden, blickt die Stadt auf eine ihrer wichtigsten sozialen Schutzmaßnahmen. Vom 1. November 2026 bis zum 31. März 2027 öffnet das offizielle Hamburger Winternotprogramm für Obdachlose wieder seine Türen, um Menschen ohne Obdach vor dem Erfrierungstod zu schützen. Als Außenstehende möchten wir Euch einen Überblick darüber geben, was Betroffene und Unterstützer*innen in dieser Saison wissen müssen, denn die Stadt hat das Angebot in diesem Jahr mit einigen grundlegenden Änderungen versehen.

Das Winternotprogramm im Überblick: Plätze und Standorte
Insgesamt stellt die Sozialbehörde gemeinsam mit dem Dienstleister Fördern & Wohnen rund 1.100 kostenlose Übernachtungsplätze zur Verfügung. Neben den ganzjährig geöffneten Notunterkünften Pik As und FrauenZimmer gibt es zwei große zusätzliche Standorte: die Friesenstraße 22 in Hammerbrook mit 400 Plätzen und die Châu-und-Lân-Straße 6 in Moorfleet mit 300 Plätzen. Ergänzt wird dieses Angebot durch rund 90 Containerplätze, die von Hamburger Kirchengemeinden und Hochschulen bereitgestellt werden. Für Frauen und LSBTIQ*-Personen sind in den Unterkünften geschützte Bereiche eingerichtet, und der Standort in der Friesenstraße bietet zudem eine barrierefreie Zugänglichkeit. Ein kostenloser Busshuttle sorgt allabendlich für eine Verbindung zwischen dem Hauptbahnhof bzw. ZOB und den beiden Hauptstandorten.
Wer einen Schlafplatz sucht, wendet sich ab dem 1. November am besten direkt an die zentrale Anlaufstelle in der Friesenstraße 22, von wo aus die Weiterverteilung organisiert wird. Die Unterkünfte sind täglich von 17 Uhr bis 9:30 Uhr geöffnet, während tagsüber verschiedene Tagesaufenthaltsstätten in der Stadt als Zufluchtsorte dienen. Vor Ort erhalten die Menschen nicht nur ein warmes Bett in überwiegend Zwei- oder Dreibettzimmern, sondern auch Mahlzeiten, Getränke, medizinische und pflegerische Grundversorgung sowie Zugang zu Waschmaschinen und einer Kleiderkammer.
Zwischen schneller Hilfe und Abschreckung: Die neue Beratungspflicht
Die gravierendste Neuerung in der Saison 2026/2027 betrifft die Sozialberatung: Während die Aufnahme in den ersten Nächten weiterhin ohne bürokratische Hürden erfolgt, ist die Teilnahme an einer Beratung spätestens nach der dritten Übernachtung verpflichtend. Die Behörden wollen damit frühzeitig Leistungsansprüche prüfen, um Obdachlose schneller in eine dauerhafte, öffentlich-rechtliche Unterbringung zu vermitteln. Menschen ohne Sozialleistungsanspruch in Deutschland sollen im Rahmen dieser Gespräche Beratung zu alternativen Hilfen oder Unterstützung bei einer freiwilligen Rückkehr in ihr Herkunftsland erhalten. Diese Neuerung wird in der Stadt intensiv diskutiert. Straßenmagazine wie Hinz&Kunzt äußerten bereits die Sorge, dass die Beratungspflicht Menschen abschrecken könnte, sodass diese trotz extremer Kälte lieber auf der Straße bleiben.
Obdachlosigkeit im Winter: Zögert nicht, aktiv zu werden
Wenn Ihr im Hamburger Stadtgebiet unterwegs seid und hilflose Personen bei Frost bemerkt, zögert nicht, hinzusehen und zu handeln. Sprecht die Menschen einfach kurz an und fragt nach, ob alles in Ordnung ist oder ob Hilfe benötigt wird, denn ein respektvolles Wort kann bereits viel bewirken. Ihr könnt auch direkt Wärme schenken, indem Ihr einen heißen Tee, einen Kaffee oder eine warme Mahlzeit anbietet, was bei Minusgraden eine lebenswichtige Unterstützung darstellt.
Offizielle Flyer und detaillierte Wegweiser stehen im Infomaterial der Sozialbehörde zum Download bereit, damit Ihr im Ernstfall die passenden Adressen direkt an die Betroffenen weitergeben könnt. Bei akuter Lebensgefahr durch extreme Kälte solltet Ihr jedoch immer sofort den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 verständigen.
Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass an kalten Tagen niemand vergessen wird. Eure Aufmerksamkeit kann Leben retten.
Vielen Dank für Eure Mithilfe und Eure Menschlichkeit!
An dieser Stelle möchten wir Euch einladen, auch einmal einen Blick auf www.einfal.de zu werfen.

