Veranstaltungen
Glauben im Takt der Gezeiten: Die Flussschifferkirche
Als unser Sprungnetz-Team die Flussschifferkirche im Hamburger Binnenhafen erreicht, spüren wir sofort das unaufhörliche Schaukeln des Wassers. Schon auf dem Weg zum Schiff merken wir, wie sich der Ponton und die blaue Schiffskirche im gleichmäßigen Takt der Wellen bewegen. Ein leises, aber stetiges Knarren mischt sich mit dem sanften Klirren unbekannter Gegenstände. Jede kleine Bewegung des Hafenwassers überträgt sich direkt auf die Schiffe um uns herum und den Ponton. Alles ist ständig in Bewegung – ein schönes Bild für die Flussschifferkirche, denn hier ist einfach immer etwas los.
Verein zur Förderung und Erhaltung der ev.-luth. Flussschifferkirche zu Hamburg e.V.
Hohe Brücke 2
20459 Hamburg
Vor dem Kirchenschiff werden wir bereits herzlich von Gisela Bruns empfangen, die uns bei einer Führung tief in die bewegte Geschichte der liebevoll „Flusi“ genannten Kirche eintauchen lässt. Mit einem Schmunzeln erzählt sie uns von einer denkwürdigen Begegnung. Eine Besucherin betrat zum ersten Mal den Kirchensaal im Bauch des Schiffes und rief schon auf der Treppe voller Verwunderung aus: „Das ist ja wirklich eine Kirche!“. Tatsächlich verbirgt sich im Inneren dieses im Jahr 1906 erbauten, ehemaligen Weserleichters, der einst als antriebsloser Frachtkahn diente und 1952 geweiht wurde, ein echtes, sakrales Kleinod. Der historische Leichter ist im Moment sogar die einzige schwimmende Kirche in ganz Deutschland.
Im Inneren lenkt Frau Bruns unsere Aufmerksamkeit auf die kunstvolle Holzschnitzerei, die den Altarraum schmückt, sowie auf die filigran gestalteten Fenster im oberen Bereich. Deren kunstvolle Motive bilden bedeutende Bauwerke und typische maritime Gewerke der Binnenschiffer ab und werfen ein warmes Licht in den Rumpf. Dabei stellen wir fest, dass auch die Kunst in der Kirche das maritime Thema konsequent aufgreift, genau wie die gesamte Einrichtung des Schiffes. So hängen im Kirchensaal kleine Schiffsmodelle von der Decke, und an den Wänden setzen ein historisches Steuerrad sowie ein Paddel klare maritime Akzente, die den Raum unverkennbar prägen. Zu einer echten Kirche gehört natürlich auch die passende Musik, weshalb sich an Bord seit 1961 eine eigene Pfeifenorgel befindet, die dem schwimmenden Raum eine ganz besondere Akustik verleiht.
Möglich gemacht wird das lebendige Gemeindeleben allein durch das Herzblut der Gemeinschaft eines Fördervereins: Die Kirche wird ausschließlich von ehrenamtlichen Menschen betrieben und rein über Spenden finanziert. Pastor*innen halten hier regelmäßig Gottesdienste ab, und die Flussschifferkirche ist zudem ein überaus beliebter Ort für Trauungen und Taufen. Zu diesen festlichen Anlässen wird die Flussschifferkirche für die breite Öffentlichkeit geschlossen, um den Familien einen privaten Rahmen auf dem Wasser zu bieten. Wer hier den Bund fürs Leben schließen möchte, genießt eine besondere Freiheit und kann sogar seine eigene Pastorin oder seinen eigenen Pastor für die Zeremonie mitbringen.
Generell präsentiert sich die Kirche als extrem lebendig und offen für alle. Sie richtet sich insbesondere an Leute, die nur punktuell Kontakt zur Kirche suchen und nicht unbedingt eine feste Gemeinde an Land brauchen. Als echtes Highlight im Kalender gilt der „Gottsdeenst op Platt“: Jeden vierten Sonntag im Monat wird hier der Gottesdienst komplett auf Plattdeutsch abgehalten. Dieses besondere Erlebnis zieht regelmäßig viele Besucherinnen und Besucher in den Schiffsbauch, denn im heutigen Alltag bietet sich nur noch selten die Gelegenheit, einem Gottesdienst „auf Platt“ beizuwohnen.
Neben den kirchlichen Kernaufgaben pulsiert an Bord auch das kulturelle Leben durch verschiedene öffentliche Veranstaltungen, Lesungen und Konzerte. Ein echtes Highlight im Kalender ist die beliebte Veranstaltungsreihe „Kultur auf’m Kahn“, die ab dem 13. September wieder startet und regelmäßig Kreative sowie Kulturbegeisterte in den Schiffsbauch lockt. Der Eintritt ist frei.
Nach diesem faszinierenden Einblick verabschieden wir uns tief beeindruckt von diesem einzigartigen, schwimmenden Kulturdenkmal, das seit Jahrzehnten den Spagat zwischen lebendiger Hafengeschichte und spirituellem Rückzugsort meistert.
Deshalb gibt es von uns eine ganz klare Empfehlung an Euch: Schaut unbedingt selbst einmal an Bord vorbei und lasst Euch vom ganz besonderen Charme der „Flusi“ verzaubern. Ein Ausflug lässt sich wunderbar planen, denn die Flussschifferkirche liegt in direkter Nähe zur Elbphilharmonie und ist in bequemer Entfernung zu Fuß von der U-Bahnhaltestelle Baumwall aus erreichbar.
Wer nach dem perfekten Anlass für einen Besuch sucht, sollte sich den September vormerken. Dann öffnet die schwimmende Kirche gleich doppelt ihre Schotten für Kulturbegeisterte: Am Samstagabend des 12. Septembers beteiligt sie sich an der Nacht der Kirchen, und am darauffolgenden Sonntag, den 13. September, lädt das Team zum Tag des Offenen Denkmals ein, zwei perfekte Gelegenheiten, um einfach mal vorbeizuschauen.
An dieser Stelle möchten wir Euch einladen, auch einmal einen Blick auf www.einfal.de zu werfen.
Für eine entspannte Fahrt zur Flussschifferkirche nehmt Ihr am besten die öffentlichen Verkehrsmittel des HVVs. Die Fahrplanauskunft findet Ihr hier: HVV.












